 Das eingeschossige Giebel- oder Dielenhaus in der Frankenstrasse 28 stellt ein eindrucksvolles Beispiel eines kaufmännischen Wohnsitzes im Mittelalter (14. Jahrhundert) dar. Besondere Beachtung verdient der Schaugiebel mit seinen sechs zweigeteilten Giebelblenden und den spitzbogigen Luken. Diese Art des Hausbaus war in der Zeit und der Region der Hanse sehr populär, da das Gebäude dem Kaufmann als Lebensraum, Handel - und Speichergebäude diente und entsprechend den bestimmten Anforderungen der Kaufleute alle Funktionen unter einem Dach vereinigte. Der Name Dielenhaus kam von der geräumigen Diele oder Halle, die als Wohnraum genutzt wurde und die dem Kaufmann ebenfalls als Raum zu Präsentations- und Geschäftszwecke diente. Das steile, in Lagerböden eingeteilte Dachgeschoss wurde zur Aufbewahrung von Handelsgütern genutzt, der prächtige Schaugiebel kann also als Spiegel des hinter ihm stehenden Reichtums gesehen werden. Die Waren wurden mit dem Aufzugsrad, gelegen im Dachaufbau, in die oberen Böden transportiert. Der Hausbaum, auf den die Dachkonstruktion ruht, die Galerie und der Kemladen, als Wohnraum der Familie an der Rückseite des Gebäudes sind ebenso Eigenschaften eines Dielenhauses. Der zunehmende Handel mit Partnern im Osten und westlich der baltischen Region verstärkte die Macht der Kaufleute und der Patrizier immens. Sie handelten Massengüter und Grundnahrungsmittel, aber auch Luxuswaren und Rohstoffe. Ein Giebelhaus, das den sozialen- und finanziellen Status eines Kaufmannes symbolisierte und aus Backsteinen gebaut wurde, war nicht normal für Jedermann; arme Leute lebten in Kellern, Kuhställen oder in hölzernen Buden. Das Giebelhaus in der Frankenstrasse 28 hatte ebenfalls das Recht Bier zu brauen, also kann angenommen werden, dass der Kaufmann der dort lebte, auch im Bierexport aktiv war. In 1687 wurde die heute noch erhaltene Barockgalerie in die große Diele eingebaut. In 1706/ 07 fand die schwedische Landesaufnahme, das in Matrikelkarten eingeteilte so genannte erste deutsche Kataster, ein kompletter Report aller Wohnsitze, statt. Und sie besagt, dass das Haus in der Frankenstrasse 28 vom Kaufmann Johan Tenche, Nachbar von Petter Kruus, der ein Lokal für das niedere Volk betrieb, besessen wurde. Das Haus selbst wurde mit allen seinen einzelnen Bestandteilen vom Dach bis zum Keller beschrieben. Es wird auch bestätigt, dass die Anwohner der Frankenstrasse 28 das Recht hatten Bier zu brauen. Im 18. Jahrhundert besaßen mindestens sechs Inhaber das Haus, die alle Kaufleute oder Altermänner verschiedener Zünfte waren. Glücklicherweise wurde das Haus in Frankenstrasse 28 in den siebziger Jahren von Josef Wycisk gekauft, der begann dieses wundervolle Beispiel der Stralsunder Geschichte wieder aufzubauen. Es wurde in den Jahren 1974-76 in Eigenregie und mit viel Handarbeit restauriert und dabei in den ursprünglichen Zustand zurück versetzt. Im Mai 1997, zog die lokale Agenda 21 in das Haus deren Ziel es ist die zukünftige Entwicklung Stralsunds mit zu gestalten und das kulturelle Leben in der Stadt zu fördern. So sollte das Giebelhaus in der Frankenstrasse 28 als Begegnungsstätte und Treffpunkt und als Raum für Vorträge, Lesungen, Theateraufführungen und private Feiern der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. 2003 zog die Agenda 21 in ein anderes Objekt, doch das Giebelhaus steht dem Besucher weiterhin offen und Eigentümer Josef Wycisk ist gern bereit über die Geschichte seines Hauses zu berichten.
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