
Heiliggeistkloster Wasserstrasse
Das Hospital St. Spiritus, auch Heiliggeistkloster genannt, ist das älteste städtische Hospital, in dem Kranke, Alte und Hilfsbedürftige Unterkunft fanden. 1256 stiftete die Stadt ein Grundstück innerhalb des Befestigungsgürtels am nördlichen, unteren, dem Wasser nahen Teil der heutigen Heilgeiststraße, die daher ihren Namen trägt. Die Heilgeiststraße ist eine der ältesten Straßen Stralsunds und eine der längsten Straßen in der Altstadt. Sie erstreckt sich vom Knieperwall bis zum Fischmarkt. Auch nach der Verlegung des Klosters behielt die Straße ihren Namen. Das Heilgeistkloster war im eigentlichen Sinne kein Kloster sondern ein städtisch verwaltetes Spital, ein Pflege- und Altenheim. Durch Spenden der Bürger konnte es wachsen. So kam z.B. um 1340 die Inseln Ummanz und Hiddensee in Klosterbesitz. Außerdem gehörten im 14. Jahrhundert 68 Dörfer oder Ortsteile zum Kloster, dieser beträchtliche Wohlstand bildete eine solide Grundlage für die Mildtätigkeit des Hospitals. Anfangs wurden die ärmeren Bevölkerungsschichten und vorbeikommende Wanderer aufgenommen, versorgt und gepflegt. Jedoch kamen auch wohlhabende Bürger durch einen kleinen finanziellen Beitrag oder durch Vererbung des Besitzes an das Kloster in den Genuss der hiesigen Altersversorgung. Anfang des 14. Jahrhunderts verlegte man das Kloster an den Außenrand der Stadt, in die Wasserstraße an seine heutige Stelle und man errichtete eine Hallenkirche. Aufgrund dieser Auslagerung jenseits der Befestigungsmauern war das Heilgeistkloster der Belagerung und Zerstörung ständig ausgesetzt und wurde durch die Jahrhunderte immer wieder nach altem Vorbild neu aufgebaut. Sehr schlicht wirkt die dreischiffige gotische Hallenkirche aus dem 15. Jahrhundert, sehenswert ist im Innern das Stern- und Kreuzrippengewölbe. Ab der Schwedenzeit wurde sie als Garnisonskirche genutzt und ist heute Pfarrkirche der St. Jakobi-Heilgeistgemeinde. An die Kirche schließt sich das eigentliche Spital an, wo sich die Wohnräume, die heute noch sehr begehrt sind, über zwei Geschosse auf einem lang gestreckten Hofes zu beiden Seiten ausdehnen. Dieser wird an drei Seiten von einer säulengestützten Galerie begrenzt. Historiker vermuten, dass diese Galerie das Vorbild für eine ähnliche Bauweise im Rathaus lieferte. An die Galerie schließt sich das Spitalgelände an, auf dem kleine Fachwerkhäuser stehen. Das ganze bildet eine in sich geschlossene Anlage, deren Wiederaufbau nach der Wende begann, die inzwischen ein gefragtes Wohngebiet in Stralsund ist und die in ihrer Geschlossenheit neben dem Lübecker Heilgeisthospital eine der best erhaltenen Beispiele für Spitalkomplexe an der südlichen Ostseeküste darstellt.
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