 St. Nikolaikirche - Alter Markt
1260 wurde an der Stelle, wo jetzt die St. Nikolai Kirche erstrahlt eine eintürmige Hallenkirche errichtet. Durch den raschen Aufstieg Stralsunds zur bedeutenden Seehandelsstadt gegen Ende des 13. Jahrhunderts, begann man mit dem Bau der jetzigen, dreischiffigen Basilika mit Kreuzrippengewölbe und der imposanten Doppelturmanlage im Stil der franco- flämischen Kathedralgotik, für die als Vorbild die Lübecker Marienkirche diente. Das Prunkstück norddeutscher Backsteingotik bildet gemeinsam mit dem historischen Rathaus den Kern des mittelalterlichen Stralsunds und ist dem Schutzpatron der Seefahrer, dem heiligen Nikolaus, geweiht. Der kathedrale Baustil in einer Region, in der zu jener Zeit nur Hallenkirchen üblich waren, zeugen für den Ausdruck von Macht, den der städtische Rat als Auftraggeber vermitteln wollte. Aus der Zeit des Umbaus haben sich unter anderem in der Doppelturmfront die Reste eines Einturmes erhalten, abzulesen ist dieses noch am Granitsockel an der Westseite. 1662 fielen die gotischen Turmspitzen einem Brand zum Opfer, der von der St. Jakobikirche ausging. Fünf Jahre später erhielt der südlicheTurm einen barocken Helm, mit dem die Kirche eine Höhe von 103 Meternerreicht, während der nördliche Turm aus finanziellen Gründen nur mit einem Notdach versehen wurde. Beeindruckend ist, die zu einem großen Teil erhaltene, Inneneinrichtung mit zahlreichen Kunstschätzen verschiedener Jahrhunderte unter anderem viele Altäre, die Astronomische Uhr als technisches Denkmal, die berühmten Fragmente desso genannten Nowgorodfahrer-Gestühls aus dem letzten Viertel des 14. Jahrhunderts und die aufwendig gestaltete Kanzel von 1611 mit einem qualitätsvollen Bilderwerk, wie es in gotischen Backsteinkirchen selten vorkommt. Zu den ältesten Kunstschätzen der Nikolaikirche, gehört die fast zweieinhalb Meter hohe in Stuck gefertigte Monumentalskulptur Anna Selbdritt, eine der bedeutendsten Großplastiken des Ostseegebietes zu jener Zeit. Die große Kirchenorgel aus dem 19. Jahrhundert von Carl August Bucholz mit ihren 55 Registern und mehr als 4000, zum Großteil noch originalen, Pfeifen ist ebenfalls ein Glanzstück der Kirche. Buchholz zählt zu den renommiertesten Orgelbauern des 19. Jahrhunderts. Bei dem Stralsunder Werk in der Kirche St. Nicolai handelt es sich um die größte von ihm erbaute Orgel im neogotischen Stil. Seine Werkstatt, die durch drei Generationen hindurch bestand, befand sich in Berlin, wo hervorragende Werke von ihm geschaffen wurden. Die Buchholz-Orgeln zeichnen sich durch eine klare, milde leuchtende Klangwelt aus. Zwar haben auch in Stralsund Veränderungen an der ursprünglichen Orgel stattgefunden, allerdings sind die wesentlichen Bauelemente funktionsfähig erhalten geblieben. Die Nicolaikirche war Hauptkirche und Ratskirche der Stadt. Dort befanden sich viele Jahre das Ratsarchiv und die Schreibstube des Stadtschreibers, es wurden Urkunden ausgestellt und Rechtsgeschäfte abgewickelt. Außerdem wurden hier die bursprake verlesen, den Bürgern also wichtige Gesetze und Verordnungen bekannt gegeben. Die Stralsunder Nikolaikirche befindet sich seit 1971 im Stadium einer umfassenden Restaurierung. Nach Abschluss der Arbeiten wird sie zu den schönsten Sakralgebäuden Nordeuropas gehören.
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