 Schiffer-Compagnie Frankenstr. 9
In der Frankenstraße 9 befindet sich der Sitz der Schiffer-Compagnie, einst Sankt Marienbruderschaft der Schiffer in Stralsund. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude ist schon von weitem durch seinen roten Giebel und die eigenwillige Wetterfahne zu erkennen. Die Schiffer-Compagnie wurde im Jahre 1488 von fünfzig Stralsunder Schiffern gestiftet. Im gleichen Jahr wurde die Brüderschaft als Amt erklärt und erhielt das Privileg eines eigenen Gestühls. Das kam einerAnerkennung durch den Rat der Stadt und der Kirche gleich. Ziel dieser Bruderschaft war es in Not geratenen Mitgliedern und deren Angehörigen eine soziale Stütze zu sein, sowie die Interessen der Seeleute gegenüber den reichen Kaufleuten und Reedern zu verteidigen und die allgemeine Wahrung der Ordnung im Seefahrtswesen zu sichern. Die damaligen Stiftungsgrundsätze sind indem in niederdeutscher Sprache verfassten, noch erhaltenen Statut überliefert. Der Vorsitzende der Schiffer-Compagnie ist der Altermann.Eine durchaus übliche Bezeichnung eines Vorstehers einer Zunft bzw. in Norddeutschland eines Amtes, die sich bis heute erhalten hat. Der Zusammenschluss von Handwerkern oder Kaufleuten in einem Amt bzw. einer Zunft erfolgte ab dem Mittelalter zur Wahrung der eigenen Interessen gegenüber der herrschenden Schicht und zur wirtschaftlichen Absicherung. Der Altermann wurde zumeist gewählt und vertrat die Zunft in der Gesellschaft. In Stralsund wird die Schiffer-Compagnie auch heute noch durch ihren Altermann vertreten. Die Schiffer-Compagnie befand sich ursprünglich in einem Haus in der Semlower Straße. Heute hat sie ihren Sitz in dem aus dem Mittelalter stammenden, 1828 umgestalteten Haus, das zunächst als Witwenhaus erworben wurde und seit1829 als Versammlungsort der Schifferbrüder dient. 1979 nahm die Bruderschaft die erste Frau in ihren Reihen auf. Die Räume der Schiffer-Compagnie stehen dem Besucher offen und sind heute eines Museums würdig. Zu besichtigen sind eine sehenswerte Sammlung von Kapitänsbildern, Schiffsmodellen und Seemanns-Andenken. Traditionell treffen sich auch in der Neuzeit in der Schiffer-Compagnie einmal im Jahr Repräsentanten aus Wirtschaft und Politik zum so genannten Schifffahrtsessen. Auf dem Speiseplan stehen dann Hechtsuppe, Labskaus und Rote Grütze.
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