 Das Wulflamhaus, Alter Markt 6, Stralsund, ist das Bekannteste unter den mittelalterlichen Giebelhäusern Stralsunds und wurde nachweislich vor 1358 erbaut. Bemerkenswert sind, das für Kaufmannshäuser untypische, über der Diele gelegene Saalgeschoss, sowie der prächtige Pfeilergiebel, als verkleinertes Abbild des Rathauses. Einst besaß es sogar einen Balkon. Diese Besonderheiten spiegeln die Gier nach Macht und Reichtum der mächtigen Familie Wulflam, denen dieses Haus jahrelang als Wohnsitz diente, wieder. Bertram Wulflam, einer der einflussreichsten Bürgermeister Stralsunds, galt als ein eigenmächtiger und herrschsüchtiger Zeitgenosse. So überging er permanent seine Ratskollegen und verwahrte die Stadtkasse in seinem Haus, wo er darüber entschied, wofür das Geld verwendet werden sollte oder ob es seine eigenen Taschen füllt. Sein ältester Sohn Wulf Wulflam, verzogener Spross der selbstherrlichen Dynastie verhielt sich arrogant und eigenwillig in der damaligen Gesellschaft. Eine Opposition gegen den Machtmissbrauch der Wulflams formierte sich unter dem neuen Bürgermeister Sarnow und die Familie floh mit samt ihrem Vermögen nach Lübeck. Unter Androhung des Ausschluss Stralsunds aus der Hanse wurde die Wiedereinsetzung Wulflams als Ratsherr erzwungen. Sarnow wurde enthauptet und der Weg nach Stralsund stand für die Wulflams wieder offen. Bertram Wulflam jedoch starb im Lübecker Exil. Sein Sohn Wulftrat in seine Fußstapfen, wurde zum Bürgermeister gewählt und war bekannt durch seinen legendären Reichtum. Die Ausstattung des Hauses soll so manchen Fürstenhof in den Schatten gestellt haben. Durch seine Machenschaften und Affären verletzbar wurde er selbst Opfer einer Intrige und auf der Insel Rügen ermordet. Sein Tod bedeutete das Ende der mächtigsten Dynastie im Hanseraum. 1987– 1991 wurde das Gebäude fachmännisch rekonstruiert. Heute beherbergt das Wulflamhaus Stralsund ein Restaurant und ist Sitz des Stadtpräsidenten. Das im Hof befindliche Wirtschaftsgebäude aus dem 16.Jh., das so genannte Brauhaus, ist heute Spielstätte des Theater Vorpommern (Zugang über die Knieperstraße, Altstadt Stralsund).
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